niederrheinisch - nachhaltig 


Samstag, 10. April 2021

Kraftzentrumswerte

„Es ist das große Geheimnis, dass der Kapitalismus und alle auf sichtbare Effizienz gebürsteten Strukturen nie verstehen werden, nämlich dass die Dinge, die wirklich wertvoll sind - als da sind Demokratie, Freiheit, Vertrauen, Freundschaft oder eben auch Europa - buchstäblich unbezahlbar sind. Sie haben keinen Preis und zerstieben in dem Moment in dem man den Rechenschieber anlegen will. Ihren Verlust bemerkt man meistens erst, wenn sie weg sind.“

Ulrike Guerot: Nichts wird so bleiben, wie es war? Europa nach der Krise. Eine Zeitreise. Wien-Graz 2020  

"Ein heute veröffentlichter WWF-Report beziffert erstmals die Vermögenswerte der Weltmeere - auf mindestens 24 Billionen US-Dollar. Der zusammen mit der Boston Consulting Group erstellte Report analysiert die Rolle der Weltmeere als wirtschaftliches Kraftzentrum und benennt die Bedrohungen, die es zum Kollaps  bringen können."
WWF-Pressemitteilung vom 23. April 2015

„Der Ozean ist majestätisch, weil er größer ist als wir, weil er uns stiller werden lässt, weil wir aus ihm stammen, weil unsere Körper aus Ozean bestehen. Wenn ich den Ozean als etwas ansehe, das ein Jeff Bezos oder ein Putin kaufen kann, ist er für mich weniger wertvoll.“  
Bayo Akomolafe: Wir haben die Klimakrise nicht "unter Kontrolle" - DW-Interview vom 7. Juli 2020

Samstag, 3. April 2021

Klimawohlstandscoaching

"Vielleicht hat er sich in dieser Sendung sogar endgültig um seine Option aufs Kanzleramt palavert."
Arno Frank : Ein Interview wie ein Stierkampf - Spiegel-online am 31. März 2021

„Vielen Dank, Herr Laschet. Sie haben eine Menge vor. Und bald Kanzlerkandidat. Läuft!“
Markus Lanz zum Ende seiner ZDF-Sendung am 30. März 2021

„‘Die Umwelt schützen, Spaß dabei haben und damit die Brötchen verdienen‘ ist sein Berufsmotto. Strößenreuther versteht es, für Veränderung zu sorgen und mit Profi-Campaigning Themen in die Medien zu zaubern, auf die politische Agenda zu setzen und wachsende Bewegungen aufzubauen.“
Selbstdarstellung Heinrich Stößenreuthers auf seiner Homepage "Clevere Städte“

„Denn die Erderhitzung bei 1,5 Grad abzubremsen - das ist und muss unsere gemeinsame Aufgabe sein! In Verantwortung für unsere Kinder und Enkel. Aus einer Verantwortung für die Schöpfung, unsere Natur und eine unversehrte Heimat. Und in Verantwortung für den Wohlstand und die Arbeitsplätze auf dem Weltmarkt von morgen, der schon weit vor 2050 klimaneutrale Produkte und Waren auch aus dem Industrieland Deutschland nachfragen wird.“
#KlimaWohlstand - das Upgrade der CDU-Klimapolitik durch den neuen Vorsitzenden Laschet - Petition von  Heinrich Strößenreuther 

 „Ich will Klimawohlstand. Das bedeutet, dass wir eine bessere Welt hinterlassen als wir sie vorgefunden haben – mit erfolgreichen Unternehmen und sicheren Arbeitsplätzen, die wirtschaftliche Basis unseres Erfolgs.“
CDU-Auftakt zum Wahlprogramm aus der Rede von Parteichef Armin Laschet am 30. März 2021

"Wording u Storytelling kann man auch übertreiben: Es hat sich schon mancher um Kopf und Kragen coachen lassen."
Tweet von Nils Minkmar zu #Laschet und #Klimawohlstand vom 30. März 2021

Samstag, 27. März 2021

Patriarchatszement

So zu tun, als ginge es bei den digitalen Rechten von Frauen nur um Fragen des individuellen Zugangs oder individueller Kompetenzen, blendet aus, welch großes Interesse Konzerne an datenbasierten Erkenntnissen haben und welch erhebliches Governance-Defizit in Sachen Daten und Entwicklung nach wie vor besteht.
Friedrich-Ebert-Stiftung: Der Deal unserer Träume - vorgelegt von der Arbeitsgruppe "Feministische Perspektiven zur Zukunft der Arbeit.“ Ein feministischer Aktionsrahmen für die Digitalwirtschaft,  S. 6

Datenextraktivismus – die Logik, auf der die Geschäftsmodelle der transnationalen digitalen Unternehmen aufbauen – betrifft mittlerweile jeden Aspekt des sozialen Lebens. Durch Apps, die eine immer stärkere Vermessung des Selbst betreiben, werden sogar Menstruationszyklen und intimste Sexualpraktiken auf eine nie gekannte Weise für den Markt profiliert. In dieser Neudefinition von Sozialität als Rohstoff für die Kapitalakkumulation (ähnlich der Ausbeutung natürlicher Ressourcen im Industriekapitalismus) haben die Kräfte des Kapitals auch die letzte Bastion kolonisiert: die intime Lebenswelt.
Friedrich-Ebert-Stiftung: Der Deal unserer Träume - vorgelegt von der Arbeitsgruppe "Feministische Perspektiven zur Zukunft der Arbeit“. Ein feministischer Aktionsrahmen für die Digitalwirtschaft,  S. 5

Digitalisierung zementiert patriarchalische Strukturen. Nur Männer brauchen Alexa, die ihnen den Kühlschrank befüllt. Allein schon deswegen sollte man bei dem Begriff Digitalisierung nicht gleich glänzende Augen bekommen, sondern noch hinterfragen, auf welche smarte Welt wir uns da eigentlich einlassen. (...) Wer Digitalisierung sagt, sagt noch nichts über das Soziale, also über die gesellschaftliche Veränderung dahinter.“
Ulrike Guerot: Nichts wird so bleiben, wie es war? Europa nach der Krise. Eine Zeitreise. Wien-Graz 2020


Samstag, 20. März 2021

Dezernesti

„Ihr habt die Umwelt zerstört, jetzt zerstören wir Euch, Ihr habt uns nie zugehört, jetzt überhören wir euch…“
aus Nesti: Planet der Affen – (2006)

„Endlich schließt sich der Kreis und nach Jahr‘n auf fremdem Eis bin ich endlich bereit und gebe Kenntnisse preis (…) Zu sagen was mir aufm Herzen liegt, bevor die schwarze Seite siegt, die sich wie ein roter Faden durch mein buntes Leben zieht (…) Das ist Nesti, du siehst den Eisberg schon, ich hab das Panik-Symptom, das Titanic- Syndrom (…)“
aus Nesti - Lyrics by Jens Ernesti (2001)

Ich zieh meinen Weg vom heimischen Schreibtisch ins Rampenlicht und plötzlich Gewinner (…) Auf Messers Schneide scheiden sich die Wege. Ich erlebe täglich die neunmalklugen Weisen, die es nur gut mit mir meinen, aber eigentlich auf mich scheißen (…) Ich bitte um Verzeihung, aber Eure gut gemeinten Ratschläge und Tipps sind nichts für jemand wie mich, der von sich selbst überzeugt ist.“
aus „Meinungen“ – Lyrics by Jens Ernesti. (2001)

„Denn Liebe ist, wenn ich mich selber lieb‘ und mit dem was ich von Herzen lieb' dann auch mein Geld verdien‘…“
aus „Liebe ist“  - Lyrics by Jens Ernesti (2006)

„Es ist  schön, dass unser Team in der Verwaltungsführung komplett ist. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Jens Ernesti.“
Landrat Dr. Andreas Coenen, Kreis Viersen, Pressemitteilung vom 18. März 2021

„Jeder Rapper widerspricht sich im Laufe seiner Karriere ganz natürlich selbst, weil er eine Weiterentwicklung hat.“
Samy Deluxe in "16Bars.TV" am 14. März 2014


Samstag, 13. März 2021

Prachtstücksidentität

„Indem sie demjenigen Unrecht gibt, der versagt hat, ohne nach den politischen und sozialen Bedingungen des "Erfolges" zu fragen, gibt die Psychologie (...) dem System recht, das den Mißerfolg produziert hat. ‚Dem Opfer die Schuld zuschieben‘, ist ein paradoxes Kunststück, das viel Fachkenntnis und Geschick erfordert, das ist keine Arbeit für Amateure.“
Robert Castel: Der "Krieg gegen die Armut" in den Vereinigten Staaten: der Status des Elends in einer Überflußgesellschaft. In Konkursbuch Nr. 5., S. 269. Tübingen 1980 

„Wie sicher manchem Psychologen geholfen wäre, wenn er nicht seine Kunden als Karnickel betrachtete, sondern sich selbst.“
Hubert Fichte: Ketzerische Bemerkungen für eine neue Wissenschaft vom Menschen. 1976

„Ich läse gern an den Schaustücken der Sammlungen, wie sie erworben wurden, ob bei der Strafexpedition einkassiert, ob zu betrügerischerem Preis erhandelt, ob von Geistlichen unter dem Vorwand der Teufelei beschlagnahmt und dann im heimischen Museum von Geistlichen als Prachtstück ausgestellt.“
Hubert Fichte: Ketzerische Bemerkungen für eine neue Wissenschaft vom Menschen. 1976

"Was ich nicht tue: Eine Unterteilung in Identitätspolitik und etwas anderes vorzunehmen. Was sollte dieses andere sein? Wer hat keine politische Identität?“ Jagoda Marinić: Redet doch miteinander. TAZ v. 10. März 2021, S. 12


Samstag, 6. März 2021

Ohnmächtigung

"Wenn man schwer lösbare Probleme einfach fallenläßt oder sie durch "Delegation" scheinbar löst; wenn man sich allzu bereitwillig durch neue Informationen von dem gerade behandelten Problem ablenken läßt; wenn man die Probleme löst, die man lösen kann, statt diejenigen, die man lösen soll; wenn man die Konfrontation mit der eigenen Unzulänglichkeit scheut, so liegt es nahe, den gemeinsamen Nenner für all diese Verhaltens- und Denkformen in der Tendenz zu suchen, der eigenen Ohnmacht und Hilflosigkeit in einer schwierigen Situation nicht ansichtig zu werden, sich in Bestimmtheit und Sicherheit zu flüchten.“
Dietrich Dörner: Die Logik des Misslingens. Hamburg 1989, S. 88f

"Das lange Stubenleben hat die Deutschen dem öffentlichen entwöhnt, und das beständige Tragen von Schafs- oder Wolfspelzen hat Niedere und Vornehme gegen den Eindruck jedes Lüftchens empfindlich gemacht. Sie haben eine unüberwindliche Ängstlichkeit, den Gegenstand ihres Tadels genau zu bezeichnen und kenntlich zu machen."
Ludwig Börne : Ankündigung der Wage (1818) in Ludwig Börne's  Gesammelte Schriften. Erster Band, S. 66

"Wer (...) über Macht verfügen will, muss Ohnmacht aushalten können (…) 'Wissen ist Macht‘, heißt es. Doch wer sein Wissen immer mehr steigert, weiß auch immer besser,  was er alles nicht weiß. Dem Machtzuwachs (…)  steht stets ein Zuwachs an Ohnmacht und Ausgeliefertsein an das Nichtwissen gegenüber.“
Hans-Jürgen Wirth: Narzissmus und Macht. Zur Psychoanalyse seelischer Störungen in der Politik. Giessen 2002, S. 342

Samstag, 27. Februar 2021

Waldbadekippe

„Waldbaden soll dazu verhelfen, Entschleunigung zu finden, neue Lebensfreude zu schöpfen und Energiereserven einmal ordentlich aufzufüllen.“ www.kompass.de/magazin/inspiration/waldbaden

„Vor allem unsere älteren Wälder über 60 Jahre, sind von Absterbeerscheinungen betroffen. Doch auch die jüngeren Bäume zeigen einen negativen Trend.“
Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Ergebnisse der Waldzustandserhebung 2020. Februar 2021,  S. 6

„Nein, da stirbt kein Wald, da sterben Plantagen. Deutschland ist ganz überwiegend Plantagenland, und das schon seit rund 300 Jahren – seit wir geregelte Forstwirtschaft haben.“
Peter Wohlleben im Interview mit Kristian Teetz. Waldsterben in Deutschland – das sind die wahren Probleme. Redaktionsnetzwerk Deutschland vom 4. September 2019

Es ist dem Verfasser der „Silvicultura Oeconomica“, Hans Carl von Carlowitz, zu verdanken, dass nach dem 30-jährigen Krieg sich der Gedanke der Nachhaltigkeit allmählich etablierte. Mit diesem Gedanken aber wurde der wilde Wald durch den Försterwald ersetzt. (…)
Die Resilienz des Waldes steht auf der Kippe. Die Robustheit des Waldes zu schützen, ist also wichtiger denn je. Andernfalls funktioniert das angesagte „Waldbaden“ bald nur noch virtuell.
Stephan Börnecke, Deutschlandradio. Politisches Feuilleton. Beitrag vom 30.Juli 2020 

Samstag, 20. Februar 2021

Wertschöpfungskompass

„Und so sind wir heute an dem Punkt, dass die ursprünglich beabsichtigte bessere Versorgung von Menschen mit Gütern und Dienstleistungen, die sie wirklich brauchen, gar nicht mehr das eigentliche Ziel des Wirtschaftens ist. Wir haben Mittel und Zweck verdreht.“
Maja Göpel: Unsere Welt neu denken. Eine Einladung. Berlin 2020, S. 81

„Darum kommen wir nie zum Ziele, weil wir jeden Zweck, sobald wir ihn erreicht, zum Mittel erniedrigen: darum haben wir Vieles verwirrt, Vieles verwischt und mancher guten Lehre der Alten - nicht den Wert, das vermochten wir nicht - aber den Preis geraubt. Weiter sind wir freilich als die Alten, wir sind aber so weit gekommen, daß wir unsere Heimat nicht mehr finden, und während Jene in dem engern Kreise ihres Wissens alle Wege und Abwege kannten, fragen wir auf unsern weiten Fahrten in Angst und Sorgen den Kompaß um die schwankende Weltrichtung an.“
Ludwig Börne: Altes Wissen neues Leben (1823)  in Ludwig Börne's  Gesammelte Schriften. Erster Band, S. 85

„Planetenzerstörung darf nicht mehr Wachstum heißen. Reine Geldvermehrung nicht länger Wertschöpfung. Grenzen des Wachstums sollten Überwindung der ökologischen und sozialen Schadschöpfung heißen.“
Maja Göpel: Unsere Welt neu denken. Eine Einladung. Berlin 2020, S. 96


Samstag, 13. Februar 2021

Boomerimmobilität

„Der Wachstumsschub, der mit den geburtenstarken Jahrgängen („Babyboomer“) Ende der 50er und Anfang der 60er Jahre (…) verbunden war, endet.
Gleichzeitig ist die erste geburtenstarke Generation der 50er Jahre in ihre Sterbephase eingetreten und es werden absehbar in zunehmender Anzahl Wohnungen und Häuser frei, gerade auch in den ländlichen Regionen. Während sich in den städtischen, wachsenden Regionen schnell Nachfolgenutzer für die Wohnungen finden, stehen in ländlichen, peripheren Regionen in zunehmendem Maße Immobilien leer…“ 
Umweltbundesamt (Hg.): Qualitative Stichprobenuntersuchung zur kommunalen Anwendung des § 13b BauGB; S. 57.

„Das alles wäre nicht weiter schlimm und völlig okay, solange sich diese großen Babys dieser Tatsache bewusst wären und das System entsprechend anpassen würden an die aktuellen Herausforderungen, statt sich in ihren Schreibtischstühlen zufrieden nach hinten zu lehnen, und neu gestalten statt Macht erhalten würden. Sie tun es nicht. Warum? Weil sie sich eine Welt ohne Speckmantel gar nicht mehr vorstellen können.“
Carolin Würfel: Zeit Platz zu machen. DIE ZEIT 07/2019 

„Merkels Politikmethode des Wartens darauf, dass die Krise so groß ist, dass sie nicht mehr ignoriert werden kann, entspricht unserem Lebensstil. Auch wenn wir das immer den anderen zuschreiben: Das sind wir. Zumindest wir Boomer.“
Peter Unfried: Merkel plus. TAZ vom 13./14. Februar 2021

Samstag, 6. Februar 2021

Sprösslingsimpulse 

"Immer mehr Firmen kommen auf uns zu und sagen 'Was können wir nachhaltiger machen?' Viele Menschen wollen nur noch in Firmen arbeiten, die auch ein gewisses ökologisches Konzept haben. Und Kinder treten ihren Eltern in den Hintern und sagen: 'Papa, Mama, was macht ihr eigentlich? Warum haben wir immer noch so ein Auto? Was produziert ihr eigentlich in eurer Firma?‘ (…)

Einmal zeigte ich Vertretern der deutschen Papierindustrie in Kanada, wo  für ihre Produkte Wald abgeholzt und fantastische Lebensräume von Tieren und Indigenen zerstört werden. Da sagte ein entscheidender Einkäufer: 'Das ist schlimm! Wenn meine Tochter das mitbekommt, redet die nie wieder mit mir!' Das sorgte dafür, dass am Ende wirklich diese ganzen Wälder geschützt wurden.“
Thomas Henningsen, Greenpeace, in "Schrot und Korn" 01/2021, S. 41


Samstag, 30. Januar 2021

Naturverzärtelung 

"Wenn jemand das Wort 'Natur' in den Mund nimmt, ist zunächst zu klären, welches kulturelle Muster von 'Natur' vorausgesetzt wird: die Ist-, also die industriell geschundene Natur, das Landleben der fünfziger Jahre (wie es sich heute im Rückblick darstellt oder wie es die damals auf dem Lande Lebenden erfahren haben), die Bergeinsamkeit, bevor es das Buch ‘Wandern in den einsamen Bergen‘ gab, die Natur der Naturwissenschaft, die ersehnte Natur (im Sinne von Ruhe, Gebirgsbach, innerer Versenkung) (...) das 'robuste' Naturbild der Manager, nach dem Eingriffe der Industrie in die Natur durchaus kompensierbar sind, oder das Bild der 'sensiblen' Naturbewegten, nach dem selbst kleinste Veränderungen irreparable Schäden bewirken? (...) 

Natur ist nicht Natur, sondern ein Begriff, eine Norm, eine Erinnerung, eine Utopie, ein Gegenentwurf: heute mehr denn je. Natur wird zu einem Zeitpunkt wiederentdeckt, verzärtelt, an dem es sie nicht mehr gibt.“
Ulrich Beck: Weltrisikogesellschaft. Auf der Suche nach der verlorenen Sicherheit. Frankfurt am Main 2007, S. 156


Samstag, 23. Januar 2021

Entlernensnotwendigkeit

„Der populistische Glaube, die ethnische Mehrheit eines Landes habe Vorrechte und Minderheiten müssten nicht bedacht werden, ist wie ein Parasit für den politischen Körper der liberalen Demokratie, weil er ausgerechnet die Institutionen unterminiert, auf denen er beruht. Er nährt sich am Prinzip des Sündenbocks, bei dem die Schuld am Unbehagen und Elend einer Gemeinschaft stets dem anderen gegeben wird.“
Siri Hustvedt  (DER SPIEGEL vom 15.1.2021)

Für mich wäre wichtig, dass im Bildungsbereich das Thema Kolonialismus und Rassismus viel intensiver bearbeitet wird. (…) Wir wachsen alle in einer Gesellschaft auf, in der Rassismus üblich ist. Wir müssen Rassismus entlernen.
Aminata Touré (DIE WELT vom 3.6.2020)
 
„Ein Entlernen wird dann notwendig, wenn etwas Neues gelernt werden soll.“ Erich Staudt u.a.: Kompetenzentwicklung und Innovation (2002),  S.379

„Wir müssen lernen, eine Politik der Zukunft zu denken, die den Menschen «zu Hause» und den Menschen «unterwegs» einen gleichwertigen und würdigen Status zusichert. “
Homi Bhaba (Neue Zürcher Zeitung vom 2. Dezember 2020)


Samstag, 16. Januar 2021

Denkmalsentstehung

„Es besteht weder genehmigungsrechtlich noch aus der Verkehrssicherheit der vorhandenen Bausubstanz der stillgelegten Kraftwerksanlagen eine Verpflichtung, den Rückbau in absehbarer Zeit umsetzen zu müssen. (…) 

Vor einer Realisierung muss (…) die Differenz zwischen den voraussichtlichen Rückbaukosten und den zu erwartenden Erlösen (Verschrottung und Flächenvermarktung) gelöst werden..." 
RWE-Vortrag zum Konzept des Frimmersdorfer Innovations- und Technologiezentrums  (FrITZ) im Grevenbroicher  Stadtrat am 24. Januar 2019

„Im weiteren Verfahren sollte geprüft werden, ob die Möglichkeit besteht, den zu erwartenden Konflikt zwischen der Erreichung des Planungsziels auf der einen Seite sowie dem Erhalt der die Kulturlandschaft prägenden Kulisse des Kraftwerks Frimmersdorf auf der anderen Seite zu lösen.“ 
Begründung  zur 5. Änderung des Regionalplans Düsseldorf (RPD) im Gebiet der Stadt Grevenbroich und der Gemeinde Rommerskirchen, S. 18  im Düsseldorfer Regionalrat am 17. Dezember 2020

Frühere Zeiten repräsentierten sich durch Schloss- und Kirchenbauten, in den 20er und 50er Jahren waren es die Kraftwerke, die durch eine außergewöhnliche Architektur bestachen."
Prof. Dr. Walter Buschmann. NGZ 12.1.2009

„Firmen brauchen Platz, um sich ansiedeln zu können (…), Ideen, wie die, das Kraftwerk Frimmersdorf komplett unter Denkmalschutz zu setzen, wären kontraproduktiv.“
Hans-Jürgen Petrauschke, NGZ-Online v. 30.12.2020 


Samstag, 9. Januar 2021

Dorftötung

„Die Umsiedlung der Erkelenzer Ortschaften Keyenberg, Kuckum, Unter- und Oberwestrich sowie Berverath, Garzweiler II, ist entsprechend dem Braunkohlenplan (…) an den Umsiedlungsstandort Erkelenz-Nord sozialverträglich fortzusetzen und bis spätestens zum Jahr 2028 abzuschließen.“
Entwurf einer neuen Leitentscheidung: Neue Perspektiven für das Rheinische Braunkohlerevier. Beschluss der Landesregierung vom 6. Oktober 2020 , S. 28  

"Offenbar ist das Dorf für viele ein Gegenprogramm zur immer schneller ablaufenden Modernisierung, Virtualisierung und Globalisierung (…). Ein Lebensraum, der verstanden wird und der Sicherheit gibt.“
Gerhard Henkel: Das Dorf - Landleben in Deutschland gestern und heute. Stuttgart 2012, S. 9

"Dabei fiel mir erst jetzt auf, dass diese oft tausendjährigen Dörfer seit einer Gebietsreform in den siebziger Jahren amtlich nicht mehr Dörfer genannt wurden, sondern Stadtteile hießen. Stadtteile der entfernt liegenden Städte Erkelenz und Jüchen. Offiziell gab es seitdem keine Dörfer mehr.“
Ingrid Bachér: Die Grube. Berlin 2011, S. 46


Samstag, 2. Januar 2021

Neues Normal

"Ein 'neues Normal' kann schnell kommen, durch Attraktion, Einsicht, Angst oder Zwang. Manch eine/r kann sich schon nach sehr kurzer Zeit kaum noch vorstellen, dass es jemals anders war. (...)
Autofreie Innenstädte bei gleichzeitiger Förderung von Fuß-, Rad und öffentlichem Verkehr, die Vollversorgung mit erneuerbaren Energien bei gleichzeitig reduziertem Energieverbrauch, natur- und artgerechte Landwirtschaft bei gleichzeitiger Umstellung von Ernährungsgewohnheiten, vor allem weniger Fleischverzehr, sozialökologisch verantwortliches Unternehmertum bei gleichzeitiger Abkehr von einseitiger Wachstumsfixierung, all das ist möglich. Wir können es tun. Wir sollten uns trauen."
Reinhard Loske: Traut Euch. Politische Ökologie vom Dezember 2020 S. 88 - 94

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