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Samstag, 24. Januar 2026

253: Halsdemut verinnern

»Die Macht des Systems kommt nicht aus seiner Wahrheit, sondern aus der Bereitschaft aller, so zu tun, als wäre es wahr. Wenn auch nur eine Person aufhört mitzuspielen […], beginnt die Illusion zu bröckeln. […] Wir wussten, dass die Erzählung von der internationalen regelbasierten Ordnung teilweise falsch war – dass die Stärksten sich bei Bedarf ausnahmen, dass Handelsregeln asymmetrisch durchgesetzt wurden. Und wir wussten, dass das Völkerrecht je nach Identität des Beschuldigten oder des Opfers mit unterschiedlicher Strenge angewandt wurde. […] Wir befinden uns mitten in einem Bruch, nicht in einem Übergang. [...] Mittelmächte müssen gemeinsam handeln, denn wenn wir nicht am Tisch sitzen, stehen wir auf der Speisekarte.«
Mark Carney, Premierminister von Kanada, am 20. Januar 2026 auf dem World Economic Forum in Davos

»Am Tisch sitzen oder auf der Speisekarte stehen‘ – Ihr Menschen liebt diese Dramatik. Dabei seid Ihr nicht mal besonders nahrhaft. Davos ist nicht der einzige Ort, an dem Ihr behauptet, die Welt retten zu wollen, während Ihr gleichzeitig Eure eigenen Futterplätze verteidigt. Hört auf, Euch in Euren selbst erzeugten Stürmen zu verlieren und ständig zu markieren, wem welches Revier gehört.  Hört auf, Euch über eure Größe zu definieren – Ihr seid alle ohnehin alle kleiner als ihr denkt. Schaut nicht nur nach Westen oder Osten – hebt den Kopf und seht die ganze Landschaft, streckt den Hals, bevor Ihr stolpert. Ich bevorzuge Blätter, die nicht zurückbeißen und sehe von hier oben, wie jeder versucht, größer zu wirken als er ist. Die Länge Eures Halses ist angeboren und nicht verhandelbar…«
Giraffe am 23. Januar 2026

Samstag, 17. Januar 2026

252: Überflussstarre octopadieren

»Laut einer neuen Analyse von Oxfam haben die reichsten 1 % ihr jährliches CO₂-Budget – die Menge an CO₂, die sie ausstoßen dürfen, ohne die Erderwärmung um mehr als 1,5 Grad zu überschreiten – bereits nach zehn Tagen aufgebraucht.«
Oxfam-Pressemitteilung vom 9. Januar 2026

»Ich habe neun „Gehirne“, drei Herzen und blaues Blut. Ich denke dezentral und kann im laufenden Betrieb Gene umschreiben. Meine Haut kann Farbe, Muster und Oberflächenstruktur blitzschnell ändern. Meine Saugnäpfe sind Geschmacks- und Tastsinn in einem. Ich bin extrem beweglich und kann durch engste Spalten und Löcher schlüpfen. Ich vertraue auf das, was fließt und sich bewegt. Wer bereits heute seinen Weltanteil verprasst hat, mündet in Hortschwere und Überflussstarre. Zur Zeitverlängerung und Sinnesrückgewinnung empfehle ich ein eigentums- und kontrollloses Strömungstraining. Was nicht zirkuliert, das fault.«
Ein Krake am 10. Januar 2026


Samstag, 10. Januar 2026 

251: Reglosglück

»Der Januar darf alles, muss aber nichts. Wo sonst haben wir diesen Luxus noch?
 [… ] Im Januar ist der Erwartungsdruck so tief wie nie: Man kann einfach die Türe zulassen, sich einigeln, ein gutes Buch lesen.«
Ein Lob dem Januar. NZZ vom 6. Januar 2026

»Jetzt gilt es, nur nicht in die Falle der guten Vorsätze zu tappen, die das neue Jahr schon vom ersten Tag zum Scheitern verurteilen. […] Jetzt ist nicht die Zeit für große Vorsätze und Veränderungen. […] Stattdessen empfehle ich eine Zeit des strategischen Stillstands, bis sich die ersten Krokusse zeigen. Erst wenn der Saft in die Bäume einschießt und die Tage merklich länger und wärmer und werden, ist es Zeit für Veränderung – und diese wird kraftvoll und besonnen sein dank der Ruhepause die man sich gegönnt hat. […] Lassen Sie es nicht „zu wenig“ oder „zu viel“, sondern einfach mal „genug“ sein. […] Strategischer Stillstand für die kommenden Wochen heißt: Nicht optimieren, nicht verbessern, nicht dramatisieren. Beobachten, was passiert, wenn man den Druck herausnimmt.«
Elke Naters: Mit dieser Methode steigern Sie binnen Sekunden Ihr Lebensglück. DIE WELT vom 7. Januar 2026

»Jedenfalls zeugt die die inflationäre Verwendung des Verlegenheitsadjektivs „komplex“ davon, dass uns die Begriffe fehlen, um die gegenwärtigen Zusammenhänge sinnhaft zu beschreiben.«
Simon Strauss: Wir kommen nicht davon. FAZ vom 8. Januar 2026

»Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
Und ist doch hunderttausend Jahre alt.
Es träumt von Frieden. Oder träumt’s vom Kriege?
Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
Und stirbt in einem Jahr. Und das ist bald.«

Erich Kästner: Der Januar. 1955


Samstag, 3. Januar 2026 
250: Mikrowürde

»Zu meinen guten Vorsätzen für 2026 gehört, mehr Aufmerksamkeit auf das Kleine zu richten – auf das, was wir im Alltag leicht übersehen. […] Der Blick ins Kleine stellt die Überlegenheit des Menschen infrage. […] Wer sich im Detail mit dem Aufbau von Lebewesen und ihren Zellen beschäftigt, bekommt schnell die Gewissheit, dass der Mensch gar nichts völlig Herausragendes ist. Die Zellen von verschiedenartigen Lebewesen – seien es Menschen, Tiere, Pflanzen, Einzeller oder auch Bakterien – und deren zelluläre Prozesse, Gene und Proteine sehen sich erstaunlich ähnlich und funktionieren nach denselben Prinzipien.

Gerade deshalb lohnt es sich, den Blick zu üben – weg vom Großen und hin zum Kleinen. Wer einmal Leben etwa in einem Tropfen Wasser untersucht oder Gene verschiedener Lebewesen miteinander verglichen hat, begreift den Menschen nur als einen Bestandteil, aber nicht als das Zentrum eines erstaunlich komplexen biologischen Systems – eine Voraussetzung, um der Welt mit Staunen und Respekt zu begegnen und mit Vorsicht verantwortungsvoll zu handeln.«

Petra Bauer: Weg vom Großen, hin zum Kleinen. Rheinische Post vom 31. Dezember 2025

Wer ins Kleine schaut, verliert die Krone – und gewinnt Verwandtschaft.

»Größe ist kein Qualitätsmerkmal, denn in meinem Boden wohnen viele Welten. Wenn Ihr dazugehören wollt, fangt unten an. Wir sind schon da.«
Regenwurm auf Grenzlandgrün

»Es gibt quasi keine Daten zu Regenwürmern im Wald. Dabei ist es die wichtigste Tierart.«
Dominik Landerer (Forstamt der Stadt Landsberg am Lech) am 21. Juni 2024 im Bayerischen Rundfunk



 


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  Stand: 24.01.2026
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